Abenteuer Kanada

 
 
 

Montag ging die Reise nach Kanada los und über Paris flogen wir mit der Air France nach Vancouver. Dort haben wir den ersten Tag verbracht. Trotz der ca. 15 stündigen Reise erkundeten wir einen Teil von Downtown Vancouver.

 

Am Dienstag fuhren wir dann bei bescheidenem Wetter weiter nach Whistler. Auf dem Weg machten wir an ein paar Aussichtspunkten halt. Jetzt waren es noch 5 Tage bis zum Ironman Kanada. Zumindest nach der Wettervorhersage sollte das Wetter ab Donnerstag deutlich besser werden.

 
Summit Boutique Hotel
Summit Boutique Hotel

In Whistler bezogen wir im Summit Boutique Hotel Whistler unsere Unterkunft und mit als erstes wurde das Rad zusammen gebaut. Trotz starker Bewölkung und gelegentlichem Regen habe ich mich dann auf die Radstrecke begeben, um zu schauen, ob alles funzt und wie hier so die Anstiege sind. Dann kam der große Schrecken. Ich konnte mit meiner Dura Ace DI2 nicht auf das große Kettenblatt schalten. Egal, wie oft ich es versucht habe, nichts ist passiert! Ich bin zwar dann gut 60km gefahren, aber viele Passagen konnte ich gar nicht treten, da ich dafür das große Kettenblatt benötigt hätte.

 

Jetzt war die Frage, wie ich es schaffen würde, dass die DI2 repariert werden kann. Die ersten örtlichen Radläden konnten nicht helfen. Beim Dritten, den wohl am besten sortierten Radladen in Whistler, gab man grünes Licht, da man ein DI2 Schaltkabel vorrätig hatte. Dann der nächste Schlag. Das Kabel ist fest mit dem Bremsgriff verbunden, so dass man das Kabel nicht tauschen kann, sondern das komplette Element, welches um die 250 kanadische Dollar kostet, muss bestellt und dann gewechselt werden. Würde das bis zum Wettkampf klappen?

 

Am Mittwoch war wieder starke Bewölkung mit gelegentlichem Regen und es war richtig kalt, während in Deutschland die Sonne bei weit über 30 Grad vom Himmel schien. Das Schwimmen im Alta Lake im Rainbow Park war auch sehr erfrischend. Auch für den Wettkampftag war eine Wassertemperatur von max. 18 Grad vorhergesagt. Na ja, nur die Harten und so, ihr wisst schon!

 
Schießstand von Olympia 2010
Schießstand von Olympia 2010

Donnerstag kam dann die Sonne. Plötzlich und schlagartig. Morgens war es natürlich extrem kalt, aber dann wurde es richtig warm. Da das Ersatzteil frühestens Freitag kommen sollte, habe ich mein Rad genommen und bin die ersten 60km der Radstrecke gefahren. Es werden Sonntag auch die schwierigsten werden. Es waren dabei gut 950 Höhenmeter. Anfangs vom Schwimmen habe ich sehr gefroren, weil ein Großteil der ersten Kilometer durch schattiges Gebiet führte und die Sonne noch nicht hoch stand. Später wurde es dann angenehm warm. Die Strecke führte über den Highway 99 zum Olympiadorf und der 1. Wendepunkt war am Schießstand der Biathleten.

 

Anschließend gingen wir zur Anmeldung vom Ironman und hielten uns noch in der Innenstadt von Whistler auf.

 

Jetzt sind Claudia und ich natürlich sehr gespannt, ob mein Fahrrad bis zum Wettkampf am Sonntag fertig wird. Wenn nicht, dann habe ich ein großes Problem!

 

Mann, das war knapp! Das hätte wirklich ins Auge gehen können. Dank der freundlichen hilfsbereiten Mechaniker eines örtlichen Radladens konnte das Ersatzteil gerade noch rechtzeitig bestellt und montiert werden! Jetzt hoffe ich, dass ich den Ironman morgen ohne weiteren Ärger hinter mich bringen kann.

 

Gerade waren wir beim Check-In und ich habe meine Sachen für den Wettkampf morgen abgegeben. In der Wechselzone wirkte es wie bei einer lokalen kleinen Veranstaltung. Die Wechselbeutel wurden einfach auf dem Boden abgelegt, keine Ständer oder ähnliches. Die Freifläche beim ersten Wechsel von Schwimmen auf´s Rad besteht aus einer unebenen Wiese voller Löcher. Dafür sind die Helfer absolut freundlich, wie bislang sowieso alle Kanadier, die wir getroffen haben!

Jetzt beginnt die blöde Wartezeit bis zum Start morgen. Diese Zeit könnte eigentlich gestrichen werden, denn diese Warterei ist nur nervend!

Geschafft! Der Ironman Kanada 2016 ist Geschichte und für mich eine erfolgreiche!

Ich muss ja sagen, dass es der für mich bislang heftigste Wettkampf war und ich bin jetzt auch richtig fertig! Insbesondere der Schlussanstieg auf dem Rad hat mich Körner gekostet.

 

Doch von Anfang an: Morgens war schon zu sehen, dass es ein sonniger Tag wird, doch dafür war es zunächst richtig schattig. Es wurde auch in Kanada zum ersten Mal ein rolling start durchgeführt, so dass immer 3 Athleten gleichzeitig ins Wasser gelassen wurden. Entsprechend entspannt lief das Schwimmen und ich habe mich im Wasser gut und stark gefühlt und mein Ding gemacht. Das soll heißen, dass ich keinen Wasserschatten gesucht habe, sondern neben der Reihe geschwommen bin. Mit 1:01 Std. hatte ich eine für mich gute Zeit. In der kleinen übersichtlichen Wechselzone fand ich mich gut zurecht und der Wechsel klappte gut.

 

Auf dem Rad ging erst wellig los, bis es dann rechts hoch zum Olympiadorf und zum Biathlonstadion von Whistler ging. Dann ging es wieder zurück und es folgte nach dem welligen Stück eine lange Abfahrt, gefolgt von einer flachen Passage bis zum 2. Wendepunkt. Dann zurück und die Radstrecke endete schließlich mit dem schon erwähnten langen Anstieg. Bis zu diesem habe ich mich auch gut gefühlt und mich ein gutes Stück nach vorne gefahren. Bei dem Anstieg waren wohl die meisten Starter schon etwas entkräftet, denn nur ein jüngerer Athlet konnte mich dort überholen.

 

Beim 2. Wechsel habe ich erst einmal das Dixie-Klo aufgesucht, um dann den abschließenden Marathon in Angriff zu nehmen. Da ich auf den letzten Radkilometer aufkommende Krämpfe hatte und mich schon äußerst fertig fühlte, hatte ich keine großen Erwartungen an diesen Lauf. Es fühlte sich auch nicht gut an, was sonst bei früheren Ironman Rennen nicht so gewesen ist. Das sollte ja was werden! Ich hatte Claudia schon im Vorfeld gesagt, dass sie mir keine Zwischenzeiten oder Platzierungen sagen soll, damit ich ohne Druck laufen kann.

 

Erst nach ca. 10 Kilometern fühlte ich mich besser. Meine Knieschmerzen ließen nach, ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass ich Krämpfe bekomme und auch meine Seitenstiche waren weg. Doch nur ein paar Kilometer später machte das ewige auf und ab mich immer fertiger. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, sondern nur gedacht, dass ich einfach versuche durchzulaufen und dann mal gucken, was dabei heraus kommt.

Eigentlich ging die Zeit ganz gut herum, auch wenn es zum Schluss richtig hart für mich wurde. Bei Kilometer 40 habe ich das erste Mal zur Uhr gesehen und da war mir klar, dass es eine Zeit knapp über 10 Stunden werden würde, was ich mir vorher niemals zugetraut hätte. Somit war ich überglücklich als ich ins Ziel gelaufen bin! Claudia sagte mir dann, dass ich sogar die Altersklasse M50 gewonnen hatte. Unglaublich!

Damit ist mir ein Hawaii Slot sicher, den ich dann auch morgen annehmen werde.

 
Judd mit Freundin und Dave mit seinem Neffen
Judd mit Freundin und Dave mit seinem Neffen

Den Tag ließen wir mit unseren Freunden aus Portland, Oregon und aus Michigan ausklingen.

 

Zum Schluss noch eine kleine Episode am Rande, die dieses Mal nicht mich betraf:

Unser amerikanischer Freund Judd hatte auf dem Bike-Kurs eine Kollision mit einem Bären, der die Wettkampfstrecke just in dem Moment kreuzte, als Judd angerauscht kam. Judd erwischte den Bären an dessen Hinterteil. Wie durch ein Wunder ist beiden nichts passiert.

Mittlerweile sind ja so viele Wettkampf- und Reiseberichte im Netz, dass man sie gar nicht alle lesen kann.

 

Claudia und ich sind gestern wieder aus Kanada zurück nach Deutschland gekom-

men und ja, British Columbia ist eindeutig eine Reise wert. Auch wenn wir nicht so begeistert waren, wie viele unserer Bekannten. Dies liegt aber zum größten Teil daran, dass sich uns die Tierwelt nicht so gezeigt hat, wie wir es uns erwünscht hatten.

 

Nach dem Wettkampf in Whistler sind wir mit der Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island gefahren und dann nördlich nach Parksville. Von dort aus ging es auf der östlichen Seite weiter nördlich nach Campbell River. Bei der dortigen Whale Watching Tour zeigte sich leider kein einziger Wal.

 

Nächster Stop war Port Alberni, von wo aus wir nach Tofino und Ucluelet auf der westlichen Seite gefahren sind. In Tofino haben wir eine Bärenbeobachtungstour gemacht. Nachdem an der ersten Stelle kein Bär zu erblicken war und alle Mitfahrenden etwas enttäuscht waren, hatten die Schwarzbären an den anderen Stellen aber ein Einsehen mit uns und waren an der Küste und drehten gemütlich die Steine auf der Suche nach Krebsen um, ohne sich an den Booten zu stören.

 

Den Abschluss auf Vancouver Island machten wir in Victoria und bei einer  Walbeobachtungstour sahen wir Buckelwale und einen Finnwal. Orcas konnten wir leider nicht sehen.

 

Letztendlich ging es zurück nach Vancouver, von wo aus wir auch wieder zurück nach Deutschland geflogen sind. Den letzten Tag nutzten wir noch für eine Stadtrundfahrt im Hop On Hop Off Bus.

Nachfolgend noch ein paar Eindrücke von hier.