Nicht gerade weltmeisterlich

Aufgrund eines Internetausfalls in unserer Unterkunft kann ich erst heute von meinem Erlebnis bei der Ironman Weltmeisterschaft in Kailua-Kona auf Hawaii berichten.

Schon vor dem Check-In war mir klar, dass ich die von mir vorher gesteckten Ziele wohl nicht werde erreichen können. Vier Tage vorher habe ich mir irgendwie eine Knochenhautreizung eingefangen und ein super Service von CeramicSpeed ging nach hinten los. Eine neue Kette hat mit der alten Kassette nicht zusammengepasst und bewirkt, dass mir von den 2 x 11 Gängen nur jeweils 4 zur Verfügung standen und die restlichen so gesprungen sind, dass ich sie überhaupt nicht benutzen konnte. Da ich somit nur mit den kleinsten und größten Gängen fahren konnte, wurde es eine zusätzliche Belastung für die Muskulatur, was sich wie die Reizung negativ beim Laufen ausgewirkt hat! Somit habe ich die für mich wohl einmalige Chance verpasst, bei einer WM auf das Treppchen zu kommen. Denn einige der Topfavoriten der Altersklasse M50 wie z. B. Seriensieger Bent Anderson oder mein Freund Richard Sweet waren verletzungsbedingt leider nicht am Start.

Doch von Anfang an…

Vor dem Schwimmen war ich super nervös, da sich bei meinen drei bisherigen Starts das Prügeln und Treten von Anfang bis zum Ende durchgezogen hat. Aufgrund meiner derzeit schlechten Schwimmform habe ich mich direkt weiter hinten einsortiert und ich muss sagen, es war ein richtig entspanntes Schwimmen und die Zeit war fast genauso wie im letzten Jahr. Dies war ein guter Start. Beim Rad dann schon direkt nach dem Aufsteigen die Probleme mit dem Schalten und es dauerte eine Weile, bis ich mich an die extremen Gänge gewöhnt hatte. Es lief sogar äußerst gut. Doch war mir klar, dass die ungewohnten Gänge sich später muskulär auswirken würden. Die Radstrecke hatte es wirklich in sich. Das ewige auf und ab und die starken Winde insbesondere auf dem Weg zum Wendepunkt in Hawi knabberten ganz schön an den Kräften, aber ich war mit dem Radsplitt sehr zufrieden. Dann beim Laufen zeigte sich sofort, dass dieser Marathon ein Kampf gegen den inneren Schweinehund werden würde. Sofort hatte ich Schmerzen im linken Schienbein und die Muskulatur war ungewohnt hart vom Rad fahren. Ich hatte große Zweifel, ob ich diesen Lauf überhaupt ins Ziel bringen würde.  Direkt beim ersten Dixie legte ich eine kurze Pause ein und anschließend beschloss ich, nur auf finishen auszugehen und lief so, wie der Schmerz es zuließ.

Zunächst verläuft die Laufstrecke recht flach am Alií Drive die Küste entlang, dann kommt man wieder zum Startpunkt und läuft recht steil, die Palani Road nach oben. Dort musste ich in Höhe von Claudia ca. bei Kilometer 16 eine Gehpause einlegen. Zu diesem Zeitpunkt war das Thema Marathon für mich eigentlich durch. Doch was macht Claudia? Anstatt mich zu bestätigen hieß es, nichts da, hier wird auch nicht gegangen, du läufst sofort wieder los. Na ja, als braver Mann bin ich dann losgetrabt. Entgegen aller meiner Erwartungen lief es sogar relativ gut, auch wenn ich bis auf den allerersten Kilometer nicht einmal Ansatzweise an meine angestrebten Zeiten herangekommen bin. Ich bin dann auch durchgelaufen und war sogar nicht so viel hinter meiner letztjährigen Zeit. Claudia sagte dann, dass ich mit der Zeit sogar noch sechster der Altersklasse M50 geworden bin, unglaublich eigentlich. Doch auch so ist Ironman, nicht nur ich, sondern viele andere hatten große Probleme und oftmals sorgen Kleinigkeiten dafür, dass ein Rennen ganz anders als geplant laufen kann. Mich ärgert es natürlich wahnsinnig, dass mich nicht die Bedingungen des Wettkampfs von einem guten Rennen abgehalten haben, sondern Fehler in der Vorbereitung. Aber wer weiß, wie es ohne diese Handykaps gelaufen wäre, vielleicht wäre ich auch wegen anderer Probleme eingebrochen. Heute hat wirklich permanent die Sonne geschienen und ich fand es unerträglich heiß. Wenn man dann die Zeiten der Profis sieht und insbesondere die Laufzeit vom Gewinner Patrick Lange, dann ist das wirklich unfassbar gut!

So, das war sie nun, die Saison 2017 und ich muss sagen, dass sie insgesamt sehr gut verlaufen ist. Viele gute Platzierungen bei tollen Veranstaltungen und trotz kleinerer Verletzungen, die Sehnen halten immer noch, Gott sei Dank und somit kann ab heute der pure Urlaub auf den beiden anderen Inseln Molokai und Oahu beginnen!

Vielen lieben Dank an alle fürs Mitfiebern und die netten Kommentare. Es hat mich wahnsinnig gefreut!

11 Kommentare

  • Merlin

    6. platz hammer geil! Hab in der Bar05 alle mit deinen Splitzeiten versorgt Uwe 🙂 In Gedanken waren wir alle bei dir!

    Super gemacht, trotz der Probleme!

    LG, Merlin

  • Frank Casimir

    Hallo Claudia und Uwe,

    schade wg. der Kette und dem Knochen. Sub 10 und Treppchen hätten wir dir wirklich von Herzen gewünscht.
    Da wir ansatzweise den ganzen Trainingsaufwand nachempfinden können und was ihr alles dafür zurückstellt,
    noch einmal den größten Respekt für deine/eure Leistungen über die gesamte Saison.

    Für uns „normalen“ eine brutale gute Leistung, Glückwunsch!!

    LG
    SuF

    • Hi, ist leider wirklich nicht optimal verlaufen, aber mittlerweile bin ich zufrieden mit dem Erreichten. Es kann halt nicht alles klappen und wer weiß was passiert wäre, wenn ich richtig hätte laufen können. Vielleicht wäre ich dann total eingebrochen, wie viele andere auch! LG Uwe

  • Absolut klasse, dass ihr jetzt auch direkt auf meiner Homepage eure Kommentare abgebt! Danke dafür!

  • Sabine Umek

    Was für ein Pech ! Und gleichzeitig ein Glück, dass du finishen konntest trotz Problemen mit Material und Körper ! Du kannst mehr als stolz auf Dich sein und bist auf jeden Fall ein echtes Vorbild für viele von uns !
    Und so klasse von Claudia, dass sie Dich wieder in Bewegung bringen konnte ! Ihr beide seid ein tolles Team – genießt jetzt die restlichen Urlaubstage im Paradies !

  • Michael Nieken

    Hallo Uwe
    ein 6.Platz in deiner AK trotz der ganzen technischen und gesundheitlichen Probleme.
    Da kann man nur respektvoll den Hut ziehen und gratulieren.
    Natürlich ist jede Zeit unter der persönlichen Bestzeit erstmal eine persönliche Enttäuschung, aber mit etwas Abstand und den gemachten Erfahrungen wirst du im nächsten Jahr noch stärker werden und
    wenn dann noch so eine tolle Motivationshilfe am deiner Seite steht…
    …was soll da noch schief gehen?

    Jetzt genießt erst einmal euren wohl verdienten Urlaub.

    LG
    Michael

    • Danke dir für die lieben Worte! Ich muss sagen, dass schon heute nichts mehr von einer Enttäuschung vorhanden ist. Ich bin super froh, dass Ding so zu Ende gebracht zu haben. Meine Knochenhaut am Schienbein schmerzt dermaßen heftig, dass es mir zeigt, dass da wirklich nicht mehr drin war, sondern ich froh sein kann, den Marathon noch so durchzulaufen.
      Den Urlaubsmodus haben wir auf jeden Fall schon.
      LG Uwe

  • Sven Oehler

    Hallo Uwe!

    Mein Glückwunsch zum 6. Platz. Du bist wie immer 🙂 es gibt halt Sachen die ändern sich wohl nie. LACH
    Ich muss wohl doch mal mit nach Hawaii kommen um mich um dein Material zu kümmern. GRINS

    LG Sven

    • Es war wie immer dieses Jahr, dihabe ich wohl noch das Beste rausgeholt!e Platzierung ist super, aber die Leistung hätte deutlich besser sein können! Doch die Schmerzen haben es nicht zugelassen, so habe ich wohl noch das Beste rausgeholt. Klar müsst ihr mal mitkommen, ob qualifiziert oder nicht. Ist auch so der Hammer!

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