Saison 1998

1998 hatte ich vor, meine erste Langdistanz zu bestreiten. Schon im Vorjahr hatte ich mich angemeldet und trainierte nach einem Buch von Kuno Hottenrott, was ich auch in den kommenden Jahren gemacht habe. Es bietet für alle Sparten Trainingspläne, also auch für reine Volks- und Kurztriathleten.

Um die Grundschnelligkeit zu erhöhen, nahm ich ab diesem Jahr regelmäßig an Winterlaufserien teil. In diesem Jahr war es die Winterlaufserie in Nettetal, die ich als 2. meiner Altersklasse beendete.

Auch wurde es bei mir usus, im Frühjahr und im Herbst einen Marathon zu laufen. So fuhr ich im März erneut nach Steinfurt und dieses Mal sollte die 3 Std. Grenze fallen. Ich lief in der Gruppe für 3 Sd. und auch dieses Jahr war es so, dass ich ab der 2. Hälfte etwas zulegen konnte und deutlich unter 3 Std. ins Ziel kam. Ein Traum wurde für mich wahr!

Natürlich musste ich für den Ironman meine bisherigen Trainingsumfänge deutlich steigern. Mit dem neuen Jahr hatte ich mit dem konsequenten Training dafür begonnen. Die Triathlonsaison begann für mich mit einem Start für die Seniorenliga in Rheinbach, bei dem ich sehr schlecht abgeschnitten habe. Einen Monat später kam für mich in Köln etwas ganz neues, ein Mannschaftssprint, den ich für die Verbandsliga absolvierte. Mit Kai Hölterhoff, Sascha Rülicke und dem leider viel zu früh verstorbenen Frank Jockram (Overmeier) ging ich an den Start und wir hatten uns eine gute Strategie überlegt. Kai sollte als Radlokomotive fungieren und dann aussteigen und die anderen 3 sollten laufen wie die Teufel. Das Schwimmen klappte gar nicht. Anstatt zusammen zu bleiben, verloren wir uns und konnten so nicht vom Wasserschatten des anderen Schwimmers profitieren. Dann aber ging die Post ab. Kai gab richtig Gas und wir kamen mit Abstand als erste vom Rad. Da Frank, Sascha und ich gleichstarke Läufer waren, klappte auch dies herausragend gut und wir wurden mit Abstand erste. Dies schien anderen nicht zu gefallen und wir wurden disqualifiziert, da wir angeblich eine Radrunde zu wenig gefahren seien. Dabei hatten sowohl wir als auch die an der Strecke stehenden Angehörigen mitgezählt und es hatte gepasst! Eine wirklich enorm ärgerliche Sache!

 

Vor Roth stand dann noch ein Start in der Verbandsliga an und dann war es soweit, der 1. Ironman. Das Training war heftig, ich fühlte mich zwar gut vorbereitet, aber hatte allergrößte Zweifel, dass ich dieses Event überstehen würde!

 

Claudia und ich wurden von Stefan Ketteler begleitet, ein alter Hase im Ironman-Geschäft, mit dem ich im Vorfeld viel trainiert hatte, insbesondere die langen Läufe. Ihn hatte ich über seinen Nachbarn Peter „Magic“ Terheggen kennengelernt, der vom Alter mein Vater sein könnte, für mich aber mehr ein Freund ist.

 

Das Schwimmen im Kanal war schon ein Riesending. In mehreren Wellen ging es an den Start und mit meiner angegeben Zeit war ich ziemlich spät dran und da ich ja erst mit 33 Jahren kraulen gelernt hatte, schwamm ich sowieso mit der Masse.

Nach einem gemütlichen Wechsel ging es auf´s Rad und die Steigungen taten schon ganz schön weh. Es waren 2 Runden und zweimal ging es dann auch den Solarer Berg hoch. Nicht die größte Steigung, aber mit absolutem Gänsehautpotential. Es ist wohl „der“ Klassiker im Triathlongeschäft. Jeder kennt die Tour De France und das Spalier der Zuschauer ist am Solarer Berg genauso. Erst wenn du in der Steigung bist, weichen die Zuschauer und geben die Gasse frei, ein absoluter Wahnsinn! Da die Zuschauer dann natürlich den Zieleinlauf erleben wollen und ich spät gestartet und nicht gerade der schnellste Radfahrer war, waren auf der 2. Runde erheblich weniger Zuschauer da, schade. Bis auf ein technisches Problem an der Schaltung und 2 Toilettenpausen war ich mit dem Rad fahren zufrieden, da mein einziges Ziel war, diesen Ironman zu finishen.

Das Laufen führt von dem Städtchen Roth durch ein Waldstück an den Kanal, an dem das größte Stück des Marathons entlangführt. Die guten Jungs kommen einem dann schon entgegen, wenn man selber noch auf dem Hinweg ist. Die meisten Triathleten mit dunkler Sonnenbrille, die nicht nur wegen der Sonne getragen wird, sondern damit man nicht an Augen den Zustand des- oder derjenigen erkennt. Etwas, was ich nie gemacht habe.

Ich merkte sehr bald, dass ich zu wenig Einheiten mit dem Wechsel Rad und Laufen trainiert hatte und die langen Wege am Kanal, die langweilig und öde waren, zehrten an meinen Nerven. Ich wurde immer langsamer, konnte aber ein Gehen vermeiden. Ankommen, nur ankommen sagte ich mir immer wieder und quälte mich durch den Marathon. Die Verpflegungsstationen, die zahlreich vorhanden waren, waren immer wieder lang ersehnte Anlaufstellen und die Zuschauer, die einen anfeuerten, waren die einzigen Lichtblicke entlang der Strecke. Mehrere Starter vom SC Bayer 05 Uerdingen kamen mir auf Hin- und Rückweg entgegen, also manche waren vor und manche hinter mir.

Endlich ging es vom Kanal weg in den Wald und zurück nach Roth, was mich wieder motiviert hatte und ich überglücklich in das kleine Stadion einlief, in dem das Ziel aufgebaut war. In 10.31 Std. hatte ich dieses Event gefinisht, besser als ich es erwartet hatte! Jetzt durfte ich mich Ironman nennen!

Selm mit Frank Jockram (l.) und Sascha Rülicke (r.)

Selm mit Frank Jockram (l.) und Sascha Rülicke (r.)

Nach diesem Wettkampf war mehr ausruhen angesagt und ich startete nur noch bei 4 Triathlon, die aber alle gut verliefen. In Selm wurde ich 1. und in Willich 3. der Altersklasse und in Hückeswagen und Minden konnte ich gute Platzierungen in der Verbandsliga erzielen. Im letzten Jahr waren wir von der Landesliga Süd in die Verbandsliga aufgestiegen und die guten Ergebnisse sicherten uns auch dieses Jahr den Aufstieg. Somit stiegen wir in die Oberliga auf.

Die Saison beendete ich wie schon im Vorjahr mit einem Marathon. An eine gute Zeit wollte ich dabei gar nicht ran, sondern es macht mir einfach Spaß, an einem Marathon teilzunehmen.