Saison 2007

Dieses Jahr sollte mein Wiedereinstieg in die Langdistanz werden und ich hatte mir das Jahr richtig schön vollgepackt. Natürlich fraglich, ob dies so vernünftig war, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich öfters nicht nur zu viel trainiere, sondern auch zu viele Wettkämpfe mache.

Das Jahr startete wieder in Duisburg und Nettetal mit den beiden Winterlaufserien. Doch in diesem Jahr sollte ein für mich absolutes Highlight kommen!

Bei beiden Läufen lief ich für mich gute bis sehr gute Zeiten und während ich Duisburg einen guten 2. Platz der AK 40 erreichte, hate ich in Nettetal das Glück, das gleich mehrere Starter, die vor mir lagen, am letzten Lauf nicht oder zumindest durch Erkältungen etc. gehandicapt an den Start gingen und ich die Winterlaufserie gewinnen konnte. Nein, nicht in der Altersklasse sondern gesamt! Wow, etwas was ich mir nie hätte träumen lassen, ich war sprachlos!

Nach diesem Auftakt sollte auch ein guter Marathon her. Ich lief zuerst in Bonn, aber nicht auf eine gute Zeit. Dies folgte dann in Düsseldorf. Hier sollte keine Bestzeit her, sondern ein guter progressiv gestalteter Lauf und ich setzte dies perfekt um. Die 2. Hälfte war deutlich schneller als die 1. Hälfte und nach gut 2:46 Std. lief ich über die Ziellinie, also nur ca. 2 Minuten über meiner Bestzeit.

Es fing im Mai mit dem Triathlon in Gladbeck an, wo ich insgesamt 8. wurde, aber dennoch nur 4. der Altersklasse. Besonders ärgerlich war, dass mich insbesondere die Jungs aus dem Konkurrenzverein des SC Bayer 05 Uerdingen, dem Krefelder Kanu Klub, geschlagen hatten. Die Triathlonabteilung des KKK ist zwar nicht so groß wie vom SC Bayer 05 Uerdingen, dafür aber hervorragend besetzt und wiederholt müssen wir ihnen den Vortritt lassen.

Dann folgte für mich schon der Ironman in Klagenfurt, eigentlich mein Lieblingswettkampf. Bereits 1999 war ich ja dort gestartet und es ist dort traumhaft schön. Der Wörthersee mit Trinkwasserqualität, die wunderschöne Radstrecke, die mittlerweile verlängert worden war und es anstatt 3 nur noch 2 Radrunden gab. Dann der abschließende Marathon vom Strandbad in die Innenstadt und zurück am Strandbad vorbei bis zum Wendepunkt, der gut zu laufen ist und keine größeren Steigungen aufzuweisen hat.

Das Schwimmen war schön und wieder erreichte ich eine für mich sehr gute Schwimmzeit unter einer Stunde. Auch auf dem Rad fühlte ich mich gut. Noch in der Wettkampfbesprechung waren wir vor einer 90 Gradkurve gewarnt worden, da dort ein übles Schlagloch sei und genau dieses erwischte ich in der 1. Radrunde. Es war meine Schuld, da ich in der Kurve einen Konkurrenten überholen wollte und somit etwas zu weit außen fuhr und ich durch das Schlagloch ausgehebelt wurde. Meine Reaktion war zu heftig und das Vorderrad stellte sich quer und ich ging über das Rad. Bis auf Prellungen und Abschürfungen blieb ich aber unverletzt. Dennoch kostete es mich einige Zeit, bis ich mich berappelt hatte und mein Rad gecheckt und weitergefahren war. Trotz der kleinen Blessuren konnte ich schnell mein Tempo wiederaufnehmen und versuchte etwas Zeit gutzumachen. Doch in der 2. Runde merkte ich, dass mich schon etwas die Kräfte verließen und ich begann schon auf dem Rad Cola zu trinken, was ich noch nie gemacht hatte. Die Radzeit lag mit 5 Std. im Bereich meiner normalen Radzeiten. 

Beim Laufen sollte sich dann zeigen, dass ich den Sturz und die Aufholjagd nach verloren gegangener Zeit nicht so ohne weiteres weggesteckt hatte. Der Oberschenkel krampfte und die Beine schmerzten und ließen gegen Mitte des Marathons ein Laufen einfach nicht mehr zu. Ich musste gehen und versuchte wiederholt anzulaufen, doch es sollte nicht sein. Somit war das bloße Finishen mein oberstes Gebot und ich stellte mich darauf ein, die restliche Strecke zu gehen. Es war eine neue, aber auch interessante Erfahrung. Niemals zuvor hatte ich das Publikum so bewusst wahrgenommen und auch nicht so viel Zuspruch erhalten. 

Es war für mich ein richtiges Gänsehautfeeling und ich konnte die ganzen Starter verstehen, die mit deutlich längeren Zeiten als ich ins Ziel kamen und von dem Zuspruch sprachen, den sie auf der Strecke erfahren hatten. 

Die Flüssigkeitszunahme und die Erholung durch das Gehen erlaubten es mir dann doch noch, die letzten 3 Kilometer laufend zu bewältigen, was aber an der schlechten Zeit natürlich nichts mehr ändern konnte. 

Es folgte ein Monat auskurieren und Anfang August ein Testwettkampf in Sassenberg, der wieder gut funktionierte. Denn Mitte August folgte mit dem Ironman 70.3 in Wiesbaden schon die nächste Herausforderung. Er wurde das erste Mal ausgetragen und es gab dort eine Unzahl von Startplätzen für die Ironman 70.3 WM in Clearwater, Florida, aber sogar für Ironman WM auf Hawaii, was ungewöhnlich war. Eine eher durchschnittliche Leistung würde dafür genügen, aber war ich von dem Vorfall in Klagenfurt gut genug erholt?

Im Vorfeld machten Gerüchte die Runde, dass das Hafenbecken in Wiesbaden schwermetallverseucht sei und eine Verlegung war angedacht, konnte aber nicht realisiert werden. Erst in späteren Jahren wurde die Schwimmstrecke dann doch deswegen verlegt, weil es bei einem Start wiederholt gesundheitliche Probleme gab!

Der Schwimmstart wurde in Wellen, nach Altersklassen eingeteilt, durchgeführt. Somit war es ein sehr angenehmes Schwimmen, mal abgesehen von dem Schwermetall! Auch die Schwimmzeit war recht ordentlich und es folgte eine sehr anspruchsvolle, aber sehr gut zu fahrende Radstrecke. Es waren meist Wellen und keine zu steilen Steigungen und auch die Grüppchenbildung hielt sich sehr in Grenzen, so dass ich ungehindert fahren konnte.

Nach dem Rad war ich in der Altersklasse gut platziert, doch sicherheitshalber wäre es gut, auf der Laufstrecke, die u. a. durch den Kurpark führte, noch ein oder zwei meiner Altersklasse einzuholen. Deshalb ging ich die Radstrecke sehr forsch an, schaffte es aber mal wieder nicht, das Tempo durchzuhalten. Dennoch war ich im Ziel sicher in meiner Altersklasse platziert und Claudia und ich waren uns sicher, die Reise nach Florida anzutreten.

Bei der Slotvergabe kam es dann wiederholt vor, dass viele gut platzierte Starter nicht da waren und so kamen sehr viele in den Genuss eines Startplatzes auf Hawaii oder in Florida, die nicht mehr damit gerechnet hatten und in der Altersklasse richtig weit hinten gelandet waren. Als ich dann aufgerufen wurde, hätte ich auch einen Startplatz auf Hawaii nehmen können, doch auch ich winkte ab und nahm den Slot für Ironman 70.3 WM in Clearwater, da ich dort noch nie gewesen bin. 

Claudia und ich planten dann eine große Floridarundreise und mir kam die etwas verrückte Idee, doch nicht „nur“ für eine Mitteldistanz über 2 km Schwimmen, 90 km Rad und 21,1 km Laufen nach Florida zu fliegen und meldete mich für den Ironman in Panama City, Florida an, der nur 1 Woche vor der WM stattfand. Im Freundes- und Bekanntenkreis machte sich Kopfschütteln breit. Auch ich hatte meine Zweifel, ob dies gut gehen konnte. Nicht, dass es unter den „Ironmännern“ etwas besonders war, in so kurzem Abstand 2 Rennen zu bestreiten, aber war ich noch fit genug für eine wirklich gute Zeit bei der WM?

Ein letzter Vorbereitungswettkampf in Xanten verlief nicht ganz nach Plan, da ich beim Laufen nicht so in den Tritt kam. Ich lief noch 2 Marathon, was im Nachhinein zu viel für die bevorstehenden Events war. Ich war aber dennoch gut gerüstet für Florida. Zu den beiden Wettkämpfen hatten wir die Reise schön vollgepackt mit allerhand Sehenswürdigkeiten!

Wie immer, wenn wir den Sport mit dem Urlaub verbunden hatten, gehörte die 1. Woche dem Ironman. Bei traumhaften Bedingungen nahmen wir den Wettkampf auf und das Meer war nahezu spiegelglatt. Die Radstrecke war komplett flach und auch die Laufstrecke wies kaum Höhenmeter auf. Alles lief nach Plan bis ich beim Überholvorgang meine Zeitstrafe bekam. Tja, sie war in diesem Moment aus meiner Sicht unberechtigt, aber immer wieder bildeten sich Pulks und darin war ich auch wiederholt im Windschatten, so dass sie das Geschehen wohl schon länger beobachtet hatten und ich mich nicht beschweren konnte, außer evtl. warum es gerade diejenigen und nicht andere traf, aber diese Gedanken sind müßig, wie jeder weiß, der in solchen Situationen gesteckt hat!

Also, die nächste Penalty-Box anfahren, 6 Minuten ausruhen und wieder Gas geben. Es tut schon weh zu sehen, wie Riesengruppen und Einzelfahrer in der Zeit an der Penalty-Box vorbeirasen. Ich versuchte mich so weit wie möglich auszuruhen und gab danach direkt Vollgas. Bis auf die Hitze beim Marathon verlief das weitere Rennen problemlos und ich kam gut durch. Es wurde mein bis dahin schnellster Marathon auf der Langdistanz.

Was würde bei dem Ergebnis herausspringen, evtl. wieder eine Quali für Hawaii? Ich fieberte der Ergebnisliste entgegen und ja, wiederum hatte ich mich qualifiziert und ich nahm den Slot bei der Vergabe am nächsten Tag an.

Der Wettkampf war geschafft, aber einer wartete ja noch auf mich. Trotzdem begannen wir schon mit unserer Floridarundreise und fuhren mit dem Leihwagen so, dass wir 2 Tage vor dem Wettkampf in Clearwater eintrafen. Beim Testschwimmen herrschte ein derartiger Wellengang, dass ich wiederholt komplett den Kontakt zum Wasser verloren hatte. Es wurde überlegt, das Schwimmen zu verkürzen oder ausfallen zu lassen, aber am Wettkampftag war das Meer ruhiger. Ich fand mich gut zurecht und absolvierte das Schwimmen in einer ganz guten Zeit.

Das Rad fahren war auf einer richtigen Hochgeschwindigkeitsstrecke und es wurde ein reines Windschattenrennen. Die Strecke war bekannt dafür und aufgrund der Zeitstrafe in Panama City hielt ich mich komplett heraus, was mich gegenüber meiner Konkurrenten ordentlich Kraft kostete. Ein schrecklicher Unfall mit vielen Beteiligten vor mir, die nur so durch die Luft flogen, zeigte mir aber, wie gut es war, mich aus den Pulkbildungen herauszuhalten. 

Beim Halbmarathon mussten wir auf dem Hin- und Rückweg mehrmals über eine Brücke laufen, die verhältnismäßig steil anstieg und ich merkte den Ironman in den Beinen. Dennoch verkaufte ich mich so teuer wie möglich. Natürlich kann ich nicht sagen, was herausgesprungen wäre, wenn ich beim Ironman nicht gestartet wäre, aber mit meinem Abschneiden war ich dennoch zufrieden.

Es folgte der zweite Teil unserer Rundreise durch Florida und es war ein absolutes Highlight in unserem Leben, denn wir sammelten Tausende von tollen Eindrücken und machten nur positive Erfahrungen im Umgang mit den Personen, die wir trafen.