Saison 2013

2012 fiel für mich ja aufgrund einer Verletzung so gut wie komplett aus. Zu Beginn konnte ich noch an ein paar Läufen teilnehmen. Dann kam die niederschmetternde Diagnose: Teilabriss der rechten Achillessehne. Die OP war Mitte Juni und Anfang August war ich wieder soweit hergestellt, dass ich mir Ende August einen Start für die Landesliga des SC Bayer 05 Uerdingen über Volksdistanz in Hückeswagen zumutete, die für mich doch noch viel zu früh kam…

 

Ein ganzes Jahr Pause bedeutete für mich, dass ich mir für das Jahr 2013 eigentlich noch gar nicht viel vornehmen wollte, sondern die Zeit zu nutzen, um wieder in den Sport herein zu finden.

Mit Bennett und Sven

Mit Bennett und Sven

Es kam (natürlich) doch anders!

Die ersten Läufe, die ich seit Weihnachten 2012, nach endgültiger Ausheilung meiner Verletzung machen konnte, waren noch sehr verhalten und es blieb auch dabei, dass ich an meine früheren Zeiten nicht mehr herankomme, aber dennoch klappte es immer besser. Die Winterlaufserie in Nettetal konnte ich zumindest noch als 3. der Altersklasse abschließen, obwohl ich den ersten Lauf quasi nur gejoggt war.

Seg in Wesel

Seg in Wesel

Es folgten im Mai die ersten Triathlon Veranstaltungen und auch hier waren die Ergebnisse zunächst eher mäßig. Da ich 2013 in die „neue“ Altersklasse (AK 50) gekommen war, sprang dennoch immer ein Platz auf dem Podium in der AK heraus.

Da die Form besser wurde, stellte ich mich dann auch wieder für die Ligenbesetzung beim SC Bayer 05 Uerdingen zur Verfügung, wobei ich nur in den unteren Ligen starten wollte. Insbesondere bei den „alten Säcken“, somit der Senioren- und Mastersliga. Da auch diese Starts zufriedenstellend verliefen, kam ich schnell zu dem Entschluss evtl. doch noch eine Langdistanz zu versuchen, aber da, wo es niemand vermutet. Es sollte keiner wissen, da ich ohne Druck starten wollte. Einfach mal schauen, ob der alte Körper es noch schafft, einen Ironman zu absolvieren. Somit meldete ich mich beim Ironman in Cozumel an; schön später Termin, am 01.12.2013.

Entsprechend zog ich das Training an. Wie schon vor ein paar Jahren startete ich Ende Juni bei der TransAlp. Wieder war Kurt Noack mein Partner, der nach einer Hüftoperation auch auf der Suche nach seiner Form war. Bis auf eine starke Erkältung, die mich ca. ab der Hälfte der TransAlp auf 3 Etappen begleitete, waren wir mit unserem Abschneiden äußerst zufrieden und insbesondere Kurt war kaum zu bremsen. Leider war das Wetter über die gesamte Tour so schlecht, dass wir beide froh waren, nach der letzten Etappe in Arco / Italien die Tour beendet zu haben.

In Köln wartete mein 1. Marathon nach der Operation auf mich. Ich erwartete keine gute Zeit, sondern wollte nur schauen, ob mein Körper die Distanz noch unbeschadet hinbekommt. Entsprechend verhalten lief ich an und steigerte mich in der 2. Hälfte ein wenig. Ich hielt mich aber weiter zurück und kam nach 3:20 Std. ins Ziel. Ich muss schon sagen, dass mir der Marathon ganz schön schwer gefallen war und ich bezweifelte, das ich nochmals unter 3 Std. werde laufen können.

Zur Vorbereitung auf die Langdistanz flogen meine Frau Claudia und ich dann im November für 1 Woche nach Lanzarote. Dort nahm ich an dem OceanLava Triathlon teil, eine Mitteldistanz mit einer heraus-ragenden Radstrecke. Bei schön warmen Temperaturen und starkem Wind fand der Wettbewerb statt. Es war ein bestens organisierter und bis auf die Anstrengungen hervorragender Wettkampf! Eigentlich ist es größtenteils ein Teil der Ironmanstrecke von Lanzarote, nur hat man auf der Radstrecke einen gar heftigen Anstieg mit bis zu 20 % eingebaut. Es sollte fast 5 Stunden dauern, bis ich die Ziellinie überqueren konnte und insbesondere auf der Laufstrecke konnte ich nicht so Gas geben, wie ich es gewollt hatte. Für den 1. Platz der Altersklasse sollte es aber reichen. Doch reichte es auch für eine Langdistanz? Immer wieder hatte ich während der Saison kleinere Verletzungen, die mich im Training zurückgeworfen hatten.

Mit gemischten Gefühlen trat ich mit meiner Frau die Reise nach Mexiko an. Ich freute mich unwahrscheinlich darauf, wieder eine Lang-distanz zu absolvieren. Allerdings hatte ich beim „Testmarathon“ in Köln gemerkt, dass mir die ganzen langen Läufe während des Winters gefehlt hatten. Mir fehlten Grundschnelligkeit und auch die Ausdauer für einen Marathon. Je näher der Termin für den Ironman rückte hatten natürlich auch viele Bekannte irgendwie mitbekommen, dass ich in Mexiko starten würde und die von mir gehassten Sprüche, dass die Hawaii-Qualifikation ja nur Formsache sei oder dass die 9 Std.-Marke ja dann endlich von mir geknackt würde, kamen natürlich.

Die Witterungsbedingungen waren auf der Insel Cozumel ähnlich wie auf Lanzarote. Es war warm und sehr windig. So windig, dass alle Test-Schwimmeinheiten im Vorfeld abgesagt wurden. Für den Wettkampftag wurde zwar besseres Wetter angesagt, aber da der Wind nicht nachließ, wurde die Schwimmstrecke von 3,8 auf 3,1 km verkürzt und es wurde nur mit der Strömung geschwommen! Aus meiner Sicht nicht nachzuvollziehen, da ich die Tage vorher für mich extra das Schwimmen gegen die durch den Wind sehr starke Strömung geübt hatte und ich in den Vorjahren schon Wettkämpfe mit noch widrigeren Bedingungen hatte, wie z. B. 2009 in Florianopolis, wo der Wellengang so stark war, dass manche Teilnehmer die Orientierung verloren hatten und mir und anderen entgegen geschwommen waren! Na ja, so kamen natürlich historische Schwimmzeiten heraus, auch ich lag unter 41 Minuten, was für viele nichts besonderes ist, für mich aber sehr gut war.

Beim Rad fahren ging es erst mit richtig „Schmackes“ los. Die ersten 25 km richtig Rückenwind, dann lange Zeit gefühlter Rückenwind und erst auf der östlichen Seite der Insel Cozumel hatten wir dann Gegenwind. Wir hatten 3 Runden á 60 km vor uns und die erste Gegenwindpassage machte mir noch überhaupt keine Probleme. Die gut 20 km lag ich immer noch bei 36-38 km/h und dann ging es schon wieder mit „gefühltem“ Rückenwind auf das letzte Teilstück der 1. Runde. Mein Tempo konnte ich auch auf der 2. Runde halten, allerdings wurde ich auf dem Gegenwindstück doch schon langsamer und bei den extremen Stellen fiel der Tacho zu meinem Entsetzen knapp unter 30 km/h zurück. Dazu merkte ich, dass meine Beine schon schwerer wurden und dass ich Probleme mit der Sitzposition bekommen würde, da ich nicht gewohnt war, ganze 180 km in der Aeroposition zu fahren!

Deshalb fuhr ich die schnellen Teilstücke nun auch langsamer, teilweise sogar unter 40 km/h und dennoch sank meine Geschwindigkeit im Gegenwind immer weiter. Von 30 km/h brauche ich hier nicht mehr schreiben, ich war froh, dass ich nicht unter 25 km/h fiel. Ich habe noch nie bei einer Langdistanz so viele andere Athleten absteigen sehen, um die Beine zu dehnen. Mit der Radzeit von 4:55 Std. war ich aber äußerst zufrieden, auch wenn es zwischenzeitlich nach einer deutlich besseren Zeit aussah, doch dafür fehlte mir das Stehvermögen.

Beim Absteigen vom Rad bekam ich sofort Krämpfe in beiden Adduktoren und immerhin wartete ja jetzt ein Marathon auf mich. In der Wechselzone setzte ich mich kurz hin und überlegte, was ich tun soll, aber was blieb mir übrig?

Also schnell die Schuhe an und loshumpeln und hoffen, dass die Krämpfe nicht schlimmer wurden und nichts anderes dazu kommt!

Es war wie so oft, es kam mir vor, als wenn ich 6 min/km laufen würde und es war zwischen 4:10 und 4:20 min/km. Eigentlich brauchte ich das Tempo ja nur durchlaufen, aber leider wurde ich immer etwas langsamer, ohne es zu merken. Claudia stand an der Strecke und Lennart, ihr jüngster Sohn, schickte ihr immer über SMS die Zwischenstände und so wusste sie, dass ich in der Altersklasse in Führung lag, zwischenzeitlich mit über 1 Minute Vorsprung.

Eine kleine Pinkelpause machten den Vorsprung aber zunichte und an der letzten Wende (7 km vor dem Ziel) hatten mein Verfolger und ich die exakt gleiche Zwischenzeit, ohne dass ich dies wusste. Claudia konnte mir auch keine Zwischenstände mehr geben, da sie schon im Ziel stand. So kam es, dass ich bemerkte, dass jemand permanent dicht hinter mir lief. Als die Markierung kam, dass es noch 1 Meile war, drehte ich mich um und fragte ihn auf Englisch, welche AK er sei. Er grinste, nannte meine AK und zog an. Er zog das Tempo so an, dass ich nicht den Hauch einer Chance hatte, ihn zu kontern. Ich versuchte noch zu beschleunigen, musste aber aufgrund direkt „zumachender“ Beine wieder auf das bisherige Tempo gehen.

So reichte es mit 9:01:18 Std. nicht für eine Zeit unter 9 Stunden und auch nicht zum Sieg in der Altersklasse. Nachdem ich mich kurzfristig darüber geärgert hatte, erinnerte ich mich schnell wieder an meine Gedanken vor dem Wettkampf und meine Enttäuschung wich der Freude darüber, wieder vernünftig eine Langdistanz absolvieren zu können!

Am nächsten Tag war dann die Slotvergabe für die Ironman WM auf Hawaii. In meiner AK sollte es nur 1 Slot geben, aber es war in den vergangenen Jahren immer so, dass die stärkeren Altersklassen weitere Slots bekamen. Bei meiner Ankunft war der Sieger meiner AK,  Richard Sweet, bereits dort, so dass ich den Platz schon einmal nicht bekommen konnte. Auf einer aushängenden Liste war aber dann vermerkt, dass es in der AK 50 3 Plätze für die WM gab und somit war ich direkt für Hawaii qualifiziert und ich musste nicht mehr schauen, ob ich als Nachrücker zur WM konnte.

Somit konnte ich die daran anschließende Siegerehrung, auch für die Altersklassen, entsprechend genießen!

Unter dem Strich war es eine richtig gute Saison für mich.

In Hückeswagen wurde ich westdeutscher Meister meiner Altersklasse über die Mitteldistanz, und in Harsewinkel westdeutscher Meister über die Kurzdistanz. In Wesel gelang es mir beim dortigen Triathlon zum ersten Mal einen Gesamtsieg beim Triathlon zu erzielen.

Dazu ein paar weitere Plätze unter den ersten 3 der Altersklasse und ganz gute Ligaergebnisse rundeten die Saison ab. 

 

Jetzt hoffe ich natürlich darauf, dass ich gesund bleibe und die Saison 2014 auch gut verläuft!